Im Februar kaufte Facebook den Chatdienst WhatsApp. Wie reagieren aus unserer Sicht die Jugendlichen? Sind Alternativen gefunden? Es scheint als herrsche mehrheitlich Resignation. Jugendliche fühlen sich dem Standard und den Machenschaften der Konzerne ausgeliefert. Hochs bei anderen Chatdiensten sind zufällig.

Am 20. Februar berichteten selbst alle Papierzeitungen darüber: Facebook kaufte WhatsApp für 19 Mrd. $. Wer für einen einfachen Chatdienst so viel Geld hinblättert muss auch einen finanziellen Nutzen sehen. Die Verbindung von WhatsApp-Daten mit Facebook muss viel Wert sein. BigData wird zu „Biger-Data“.

Und da Facebook die letzten Jahre ohnehin schon viel Bashing einstecken musste, war eigentlich allen gleich klar: Das ist nicht toll. Im Februar und März haben sich Erwachsene und Jugendliche nach Alternativen umgeschaut. Die Download-Rekorde bei Threema wurden selbst in der Tagesschau erwähnt. Man erhielt Einladungen von Telegram, Message Me, Viber, etc.. Da und dort wurde auch über die Facebook- und WhatsApp dominanz diskutiert.

Oktober 2014: Alles kein Thema mehr. Wenigsten findet kein Jugendlicher Diskurs mehr statt. Wer mit den Teens arbeitet, muss feststellen, dass viel Resignation da ist. Sicher, auch Verunsicherung: „Nutzt Facebook die Bilder die ich mit WhatsApp versende?“ „Analysieren die meine Nachrichten?“ „Könnte es sein, dass versendete Bilder auf Facebook auftauchen?“
Doch Kritik und Experiment sind anstrengend. Keiner der Kumpels will umsteigen. ALLE sind sie auf WhatsApp. Und Gruppenchat mit Threema ist umständlich, begrenzt. Noch anstrengender ist die Diskussion. Wer sich wehrt, muss sich rechtfertigen, wird abgestempelt. „Was willst du … Die werden schon nicht deine Nachrichten lesen.“ „So schlimm ist das schon nicht. Hast du schon Nachteile erlebt?“ „Irgendwie muss man halt zahlen.“

Vorderhand: Sieg für Facebook. Auf der ganzen Linie. WahtsApp ist aller Nachteile zum Trotz als Messenger gesetzt.

Nur da und dort sind neue Phänomene zu beobachten:

  • Mehr Chat-Aktivität auf Skype.
  • Snapchat hat im Alltag von Jugendlichen plötzlich mehr Bedeutung und Konstanz erhalten.
  • Die Jüngeren (Jungs) chaten ohnehin lieber auf Clash of Clans.
  • Lokale Peergruppen die ausschliesslich mit kik kommunizieren.
  • Es ist aufregend die Szene weiter zu beachten. Manchmal braucht es ja wenig und ein kleiner Dienst wird plötzlich gross.

9556427751_3c6373eb4e_bSetzt man sich mit dieser Thematik auseinander, so stellt sich die Frage, wie man sich als Jugendarbeiter positionieren will?
Will man aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen nur noch mit SMS oder Email kommunizieren (und dies möglichst gut verschlüsseln)? Oder verzichtet man ganz auf digitale Kommunikationsformen – und lebt so ganz entgegen jugendarbeiterischen Grundsätzen nicht in der Welt der Jugendlichen? Oder starte man durch; Flucht nach vorne und kommuniziert über soziale Netzwerkdienste und riskiert dabei einen „unseriösen“ Umgang mit persönlichen Daten?
Vielleicht müsste man ein Konzept schreiben und all die verschiedenen Kommunikationsabläufe darin definieren. Das Konzept könnte kommunal, regional oder gar national absegnet werden und so einen Standart definieren! Dieser Prozess würde einige Zeit in Anspruch nehmen und wäre bei der Umsetzung bereits veraltet.
So bleibt aus unserer Sicht nur der Weg über das persönliche Interesse, das Aneignen von Wissen und die Auseinandersetzung mit anderen betroffenen Jugendarbeiter-/innen. Schlachten die Medien ein Thema wie „Facebook kauft WhatsApp“ aus, so weis man davon Bescheid und testet Alternativen.
Der medienpädagogisch kompetente Jugendarbeiter, die medienpädagogisch kompetente Jugendarbeiterin ist so jederzeit fit, in den digitalen Welten der Jugendlichen präsent zu sein. Er/sie kennt auch (zumindest recht gut) die mögliche Tragweite des entsprechenden Kommunikationsmittels und kann bei Bedarf, Jugendliche auf diese aufmerksam machen (Beispiel: Ortungsfunktion bei Instagram).

Links zur Kompetenzerweiterung:
medienbier.tv – gute Videofilme zu wichtigen Themen betreffend MEDIEN in BIldung und ERziehung

Diesen Artikel habe ich in  Zusammenarbeit mit Joachim Zahn verfasst.

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