Es gibt vom DOJ ein Grundlagenpapier zu aufsuchender Jugendarbeit. Beim Durchlesen habe ich mir die Frage gestellt, ob man diese Grundsätze auch auf die digitalen Medien übertragen kann. In diesem Beitrag möchte ich meine Gedanken dazu darlegen. Um meine Frage überhaupt bearbeiten zu können, möchte ich zuerst die Grundsätze der aufsuchenden Jugendarbeit kurz repetieren.

Aufsuchende Jugendarbeit

Aufsuchende Arbeit zeichnet sich vorerst einmal durch die Geh-Struktur aus. Es geht darum Jugendliche an ihren Treffpunkten zu besuchen. Ich wähle das Wort «besuchen», weil wir als Gast zu ihnen kommen. Wir erhalten Einblick in ihre Lebenswelt, unmittelbar und direkt. In dieser Gast-Rolle können wir auch keine Regeln durchsetzen wie man dies zum Beispiel in einem Treff kann. Die Plätze im (halb-) öffentlichen Raum sind für Jugendliche Bildungsräume und ein wichtiger Teil ihrer Lebenswelt. Durch die Raumaneignung setzen sie sich unter anderem mit ihrer Rolle in der Gesellschaft auseinander und erweitern ihr Handlungsrepertoire (vgl. Deinet 2004, S. 177).

Das Ziel der aufsuchenden Jugendarbeit ist eine professionelle Beziehung aufzubauen und ein Vertrauensverhältnis zu den Jugendlichen zu haben. Zudem ist es wichtig die verschiedenen Quartiere mit all ihren Eigenschaften und den dort wohnhaften Menschen kennen zu lernen. Bei der aufsuchenden Arbeit kann man mit unterschiedlichem Fokus beziehungsweise Ziel unterwegs sein. Manchmal ist man beobachtend, manchmal führt man Gespräche oder ist Teil eines Geschehens, wodurch wir Teil eines Sozialraumes sind der durch Interaktionen entsteht.

Jugendarbeit auf sozialen Netzwerkplattformen

Sollen wir überhaupt auf den sozialen Netzwerken wie Instagram unterwegs sein? Ja, sollten wir! Ich nenne hier nur ein paar Argumente aber diese sollten bereits genügen, um zu realisieren wie wichtig soziale Medien für Jugendliche sind und es darum sinnvoll ist eine Ahnung davon zu haben. Ein Argument liefert uns die kürzlich veröffentlichte James-Studie: Demnach sind nämlich 94% aller 12-19-jährigen Jugendlichen in der Schweiz bei einem sozialen Netzwerk registriert. (vgl. S. 48 , 2018) Wenn wir also unseren Anspruch auf lebensweltorientiertes Arbeiten ernst nehmen, ist es ein Muss auf solchen Plattformen mindestens ab und zu vorbei zu schauen.

Antwort auf die Ausgangsfrage

Nun zurück zu meiner ursprünglichen Fragestellung: Gelten die Grundsätze der aufsuchenden Jugendarbeit auch für digitale Medien? Ich denke vieles können wir übernehmen: die Jugendlichen an ihren Treffpunkten besuchen, in ihre Lebenswelt eintauchen und sehen was sie beschäftigt, interessiert oder inspiriert. Die beobachtende Rolle bietet sich für soziale Netzwerke sehr an. Sie bieten ungemein viele Informationen. Und das ist wiederum eine Einladung für pädagogisches Arbeiten und dafür Themen wie Datenschutz und Auftritt im Netz mit den Jugendlichen zu besprechen. Wenn ich beispielsweise auf dem Profil eines Jugendlichen ein Bild von ihm oder ihr in Unterwäsche sehe, würde ich versuchen dies beim nächsten face-to-face Kontakt (sofern es die Situation zulässt) anzusprechen. Wenn die Chance klein ist, diesen jungen Menschen in nächster Zeit persönlich anzutreffen, würde ich ihm eine PRIVATE Nachricht über die Plattform senden. Dabei ist wie immer entscheidend wie ich es anspreche. Ich überlege mir was ich ansprechen und was ich damit bewirken will. Unsere Aufgabe Jugendlichen manchmal den Spiegel vorzuhalten und Leitplanken aufzeigen gilt auch für den mediatisierten Raum.

 

Quellen

DOJ 2017: Grundlagenpapier Aufsuchende Jugendarbeit

Deinet, Ulrich & Reutlinger Christian (Hrsg.) (2004): Aneignung als Bildungskonzept der Sozialpädagogik. Wiesbaden: VS Verlag.

Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften [ZHAW]. (2018). James Studie. Gefunden am 27.12.2018 unter https://www.zhaw.ch/storage/psychologie/upload/forschung/
medienpsychologie/james/2018/Ergebnisbericht_JAMES_2018.pdf

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